Oamoi im Jahr - Gustl Bayrhammer

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Gustl Bayrhammer wurde am 12. Februar 1922 als Adolf Gustav Rupprecht Maximilian Bayrhammer in München geboren; sein Vater war der sächsische Hof- und bayrische Staatsschauspieler Max Bayrhammer, der in Theatern von Frankfurt bis Petersburg auf der Bühne stand. So war es nicht verwunderlich, dass sich der junge Gustl schon als Kind für alles interessierte, was mit dem Theater zusammenhing und schon früh beschloss, ebenfalls Schauspieler zu werden. Auf Drängen seines Vaters, der von dem Berufswunsch seines Sohnes nicht sonderlich begeistert war, machte Gustl Bayrhammer zunächst die "mittlere Reife" und besuchte anschließend eine Kaufmannsschule. Während des 2. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zum Militärdienst, wurde als Nachrichtenfunker eingesetzt, nahm nebenher Schauspielunterricht am Schiller-Theater, das damals von Heinrich George geleitet wurde, und bestand dort 1944 auch seine Abschlussprüfung als "Rupprecht" in Kleists "Der zerbrochene Krug" – in der Uniform eines Obergefreiten der Luftwaffe. In der Jury saßen "der Gründgens, der Klöpfer und ein ganz junger Schauspieler namens Minetti – große Nazis", erzählte Bayrhammer später in einem Interview. Nach Kriegsende ging er im Herbst 1945 ins schwäbische Sigmaringen, wo der Schauspieler Robert Marencke gerade junge Leute für sein neu gegründetes Theater suchte. Bayrhammer gab dort Ende November 1945 sein Bühnendebüt in "Die Mitschuldigen" von Johann Wolfgang von Goethe. In den nächsten rund 20 Jahren folgten Engagements an Provinzbühnen, wie das Württembergische Landestheater in Tübingen, die Augsburger Städtischen Bühnen (1952 – 1955) und das Staatstheater Karlsruhe, 1964 schließlich kam er zum Landestheater nach Salzburg; von 1962 an wirkte er für zwei Jahre auch bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel/Fichtelgebirge mit. Von Salzburg aus trat Bayrhammer 1966, als 44jähriger und für 40 DM Tagesgage, in Marieluise Fleißners "Der starke Stamm" auf, das als Gastspiel im Münchner Volkstheater aufgeführt wurde; dort entdeckte ihn Therese Giehse. Sie verhalf ihm dazu, dass er noch im gleichen Jahr bei den renommierten Münchner Kammerspielen unter Intendant Schweikart unter Vertrag genommen wurde; bis 1971 gehörte der Schauspieler zum Ensemble, danach arbeitete er als freier Schauspieler. Für Bayrhammer begann eine "große Zeit", sein Repertoire reichte von Shakespeare über Schiller, Shaw und Horváth bis hin zu Kroetz, an dessen Uraufführung von "Hartnäckig" er ebenso beteiligt war wie an der Premiere von Martin Sperrs "Landshuter Erzählungen". Zu seinen großen Rollen gehörte auch der Gütler "Paulimann", der seine Tochter Magdalena ersticht, weil sie die Familie "in die Schand" gebracht hat. Andere bedeutende Volksschauspieler – das Volk sei jedoch "nicht tümlich", betonte Bayrhammer immer wieder – wie Wastl Witt oder Rudolf Vogel hatten schon vorher mit diesem Part brilliert. Besonders angetan hatten es ihm jedoch stets die Gestalten in Ludwig Thomas Stücken, etwa die Titelrolle in der dramatisierten Fassung des "Wittiber". 1966 hatte Bayrhammer seinen Durchbruch als Schauspieler auch auf dem Bildschirm mit der Rolle des Dr. Gerst in dem von Rainer Erler gedrehten TV-Film "Bohrloch oder Bayern ist nicht Texas" neben Fritz Strassner und Ludwig Schmid-Wildy. Das Medium Fernsehen machte ihn nun über die bayerischen Grenzen hinweg bekannt, Angebote vom Film folgten und von da ab war der Bayer ein vielgefragter Mann. Einen bundesweiten Bekanntheitsgrad erlangte er auch durch die Fernsehübertragungen des "Komödienstadel" und nicht zuletzt durch seine Rolle des Kriminalhauptkommissar Veigl in der Krimi-Serie "Tatort", den er ab 1972 rund zehn Jahre lang verkörperte. Zusammen mit seinen Assistenten Kriminalhauptmeister Lenz alias Helmut Fischer und Kriminalobermeister Brettschneider alias Willy Harlander löste der "Lodenkriminaler Veigl" – mal mit mal ohne Dackel – insgesamt 15 Fälle. Mit der Kinderserie "Meister Eder und sein Pumuckl" spielte er sich dann ab 1979 auch in die Herzen der jugendlichen Zuschauer. Er war 52 TV-Folgen und zwei Kinofilmen lang der grantelnde "Meister Eder", der mit seinem Kobold "Pumuckl" in einer Schreinerwerkstatt hauste. Daneben sah man ihn während seiner Karriere als Schauspieler in mehreren Episoden der Serie "Königlich Bayerisches Amtsgericht" oder "Weißblaue Geschichten" auf dem Bildschirm, 1975 übernahm er eine Rolle in "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben", ein Jahr später sah man ihn in "Sternsteinhof" auf der Kino-Leinwand. In den 80er Jahren trat er beispielweise in TV-Serien wie "Monaco Franze – Der ewige Stenz", "Unsere schönsten Jahre" oder "Die Wiesingers" auf – wann immer ein typischer, waschechter Bayer gebraucht wurde war Gustl Bayrhammer zur Stelle. Im Oktober 1988 beispielsweise erlebte man ihn im ZDF als verwitweten Restaurator Hugo Kargus in "Wieviel Liebe braucht der Mensch" von Michael Günther, im März 1991 spielte er im ZDF-Film "Stein und Bein" den pensionierten Speisewagenkoch Bein, dem – wie anderen Hausbewohnern – die Kündigung droht. Im Mai 1991 begann das ZDF mit neuen Episoden der "Weißblauen Geschichten", die sich seit Jahren schon als "Bayrhammer-Specials" großer Beliebtheit erfreuten und im Juni 1992 zur Aufführung kamen. Nach dem Tod von Walter Sedlmayr und Beppo Brem war Bayrhammer – so damals die Stuttgarter Zeitung – das einzig verbliebene "bayerische Biotop" in der Mainzer Anstalt. Dass er dem Bayerischen Rundfunk den Rücken kehren würde, hatte sich schon früher angedeutet, als er sich gegen Versuche wehrte, ihn für die staatliche Medienpolitik zu vereinnahmen. Bis zuletzt vor der Kamera stehend, nahm er kein Blatt mehr vor den Mund und "grantelte" gegen den Qualitätsverfall des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Der sympathische Volkschauspieler, der rund 5.000 Mal auf einer Theaterbühne gestanden und in über 250 Fernseh- und Theaterproduktionen mitgewirkt hat, erlag am 24. April 1993 im bayerischen Krailling mit 71 Jahren den Folgen seines zweiten Herzinfarkts. "Als Schauspieler hat Bayrhammer es stets verstanden, in seiner Person echte bayerische Lebensart zu verkörpern, ohne falsche Volkstümelei oder krachledernes Gehabe" formulierte der langjährige Intendant des Bayerischen Rundfunks, Albert Scharf, anlässlich des Todes des Schauspielers. Für seine schauspielerischen Leistungen erhielt Bayrhammer, der 1981 zum "Staatsschauspieler" ernannt worden war, zahlreiche Auszeichnungen, wie beispielsweise den "Bayerischen Filmpreis", die "Ludwig-Thoma-Medaille" oder die "Goldene Medaille des Bayerischen Rundfunks". Die Lebensgeschichte des "Vorzeige-Bayer" porträtierte Manfred Glück in dem Buch "Gustl Bayrhammer – Das Herz gehört dazu". Bayrhammer war seit Kriegsende mit der Schauspielerin Irmgard Henning verheiratet; aus der Verbindung stammt Sohn Max, der Aufnahmeleiter beim Fernsehen wurde.
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